Das war mein Jahr 2 am ZAW

In meinem 2. Jahr am Zentralalpenweg bin ich nun endgültig in den Bergen angekommen und sie haben mir auch gleich einmal die Zähne gezeigt. Doch alles der Reihe nach.

Zuerst einmal die Ausgangslage: 2018 bin ich vom Start in Hainburg bis nach Knittelfeld gewandert, mit einer kleinen Lücke bei der Teichalm. Das waren also 303 km und knapp 10.000 Höhenmeter in 12 Wandertagen. Für 2019 habe ich mir den Lückenschluss und dann den Weitermarsch bis nach Obertauern vorgenommen und damit auch quasi den Abschluss des Ostteils. Dazu hab ich 2 Wochen (je 5 – 6 Tage) und 1,5 Tage für die Teichalm geplant – im Wissen, dass das nicht ganz einfach werden wird.

So habe ich mir die Woche der Sonnenwende freigehalten, es sollte von Knittelfeld bis nach St. Nikolai gehen, idealerweise in 5, max. 6 Tagen inkl. der Monsteretappe von der Edelrautehütte auf die Planneralm. Doch leider lag noch viel zu viel Schnee – abgesagt und damit war schon fast sicher – das wird heuer nix mehr mit Obertauern. Zum Ersatz hab ich zumindest die Lücke geschlossen.

2. Versuch der Etappe war dann ein paar Wochen später – am 24. Juli gings los, 6 Tage hatte ich Zeit – Ziel war wiederum St. Nikolai. Die ersten 3 Tage kam ich gut voran, es war zwar brennend heiß und ich schonte meine Kräfte, doch ich war ganz gut in Form und traute mir die Monsteretappe (vor der ich größten Respekt hatte) schlussendlich auch zu. Doch die Wetterprognose sagte Gewitter für den Nachmittag an und nach Beratung mit der Hüttenwirtin verkürzte ich die Etappe zu Schwaberger Alm – so weit so gut. Schließlich kam alles anders, Ziel erreicht, aber Tour abgebrochen ;(. Am Ende holte ich im Herbst spontan den Rest bis St. Nikolai nach – wenigstens das habe ich heuer erreicht.

Statistik Jahr 2:

  • absolvierte Etappen: 8,5 in 8 Wandertagen (gesamt 21 Etappen/19 Tage)
  • gegangene Stunden: 45:59 (gesamt 113:16 h)
  • Anstieg: 10.411 hm (gesamt 19.705 hm)
  • Abstieg: 10.315 hm (gesamt 19.070 hm)
  • Distanz: 168 km (gesamt 463,3)
  • Startpunkt: Knittelfeld Bahnhof
  • Endpunkt: St. Nikolai im Sölktal
  • Wetter: meist heiß, einmal Unwetter

Fazit:

Dass die Berge kein Spielplatz sind, wußte ich vorher auch schon. Das mein Handy im Hosensack ertrinken kann, dass hab ich erst heuer gelernt und das war definitiv ein vermeidbarer Fehler von mir. Ob ich die Etappe hätte gar nicht antreten sollen? Im Nachhinein gesagt – ja natürlich, doch konkret habe ich am Vorabend lange darüber nachgedacht und alle Varianten abgewogen. Am Ende war es ca. 1/2h, wo das Gewitter zu früh kam und das was da runterkam war definitiv nicht vorhergesagt.

Ich habe aber noch was gelernt – im Gegensatz zu den Flachlandetappen ist es in den Bergen für mich doch deutlich schwieriger, alleine zu gehen. Die größere körperliche Anstrengung und auch das Treffen von Entscheidungen (siehe oben) ist mit einem Partner doch wesentlich leichter als alleine. Auch die Gipfelsiege oder sonstigen Höhepunkte der Tour sind zu Zweit oder in einer Gruppe viel schöner. Am Tag 3 – kurz vor Hohentauern (ich hatte an diesem Tag noch keinen einzigen Menschen gesehen, auch nicht beim Frühstück, weil ich sehr früh aufgestanden bin) – hatte ich einen emotionalen Durchhänger und wollte, obwohl ich gut vorankam, das Wetter OK und die Gegend wunderschön war, die Tour schon abbrechen.

Für 2020 (Jahr 3) möchte ich wieder einen größeren Schritt des Weges weiterkommen und die Hohen Tauern erreichen. Minimumziel ist der Abschluss des Ostteils, perfekt wäre es in die Nähe des Sonnblicks zu kommen. Mein großes Ziel ist noch immer die Fertigstellung des Wegs bis zu meinem 50. Geburtstag – das ist halt schon 2025. Ich möchte aber jetzt eigentlich nur mehr in Ausnahmefällen alleine gehen … .

Zum Abschluss – danke allen, die hier mitlesen und die mich hier über ihre Kommentare und PNs immer wieder unterstützen.

Tag 19: Donnersbachwald – St. Nikolai im Sölktal

Der Rest von Etappe 20 und eine kurze Etappe 21 führt mich heute ins Sölktal

Nach einem gemütlichen Frühstück mit meiner Frau (wie ungewohnt beim Weitwandern) im JUFA starte ich um 07:30 los – heute ist ja doch eine eher kurze Etappe angesagt. Die Wetterprognose ist eigentlich weniger gut, nachmittag sind leichte Gewitter angesagt. Aber aktuell ist nichts davon zu merken – im Gegenteil es ist wolkenlos und warm und viel schöner als gestern.

Zuerst einmal kurz runter in den Ort und dann eine Forststraße entlang bis zum Mörsbachwirtn. Etwas über 3 km und 45 Minuten doch ziemlich faden Marschierens, nur einmal gibt es einen kurzen Abstecher durch den Wald.

Nach dem Mörsbachwirtn, wo ich kurz auf Stempel (offizielles Ende Etappe 20) und Kaffee einkehre, wandere ich vorbei an der alten Mörsbachhütte und gleich weiter zur Vorderen Mörsbachalm – und abgesehen von einem weiteren nicht allzu langen Abkürzer wiederum auf Forststraßen Richtung Hinterer Mörsbachalm. Die erreiche ich aber nicht ganz – unmittelbar davor biegt der Weg rechts ab. Zuerst grauslich und steil empor, biegt der Weg dann für mich überraschend (doch nicht genau auf die Karte geschaut) nach rechts hinten ab. Vor hier aus geht es dann zwar recht romantisch und endlich nimmer auf Forststraßen aber dafür wirklich steil rauf zur Gstemmerscharte.

Um 09:43 bin ich dann auf der Scharte (1920 m), die kurz vorm Ende dann doch etwas freundlicher wird – die letzten Meter steige ich durch ein kleines Kar auf. Von hier könnte ich nun recht einfach auf den Sonntagskarspitz (1999) oder das Große Bärneck (2071) aufsteigen, doch ich will mich mit meiner Familie zum Essen treffen und außerdem beginnt es sich schon wieder langsam zuzuziehen. So mache ich nur kurze Jausenpause und beginne um 10:03 den langen Abstieg ins Sölktal.

Blick Richtung Schladminger Tauern von der Gstemmerscharte aus. Links im Bild die einzigen Tiere, die ich abgesehen von Kühen und einigen wenigen Pferden seit Knittelfeld gesehen habe – Schafe. Nicht eine einzige Gams hat meinen Weg bisher gekreuzt.

Der Weg runter ins Sölktal ist wirklich schön. Landschaftlich reizvoll aber vor allem auch gut gepflegt macht der Abstieg wirklich Freude. Auch wenn die Markierungen hier durchaus weit auseinander sind, ist der Weg immer sehr einfach zu finden. Schon bald beginnen auch die Bäche und ich wandere dann immer entlang des Mößnakarbaches Richtung Tal. Apropos: Der Himmel hat inzwischen zugezogen und ich höre auch leichtes Donnergrollen, aber das stört mich nimmer, ich bin schon recht weit unten und gut im Wald geschützt.

Später dann erreiche ich doch eine Forststraße, diese führt mich runter zum Seifriedbach, den ich auf einer Wehr überschreite. Dann die Forststraße raus nach Mößna (11:38) und von hier auf der Straße nach St. Nikolai. Im Gegensatz zu gestern ist die Straße stark befahren, doch wenigstens führt bis auf wenige Meter immer ein kleiner Weg entlang. Um 12:14 kehre ich dann beim GH Gamsjäger in St. Nikolai ein, welches auch mein heutiges Tagesziel darstellt ein. Etappe 21 hiermit abgeschlossen (und das Wetter hat gut gehalten)..

Originell und schön – dieser Bogen in Mößna.

Den Ostteil der Niederen Tauern hab ich nun geschafft – eigentlich wollte ich Anfang Juli schon hier sein. Mit dem Weiterweg nach Obertauern wird es aus Zeitgründen heuer leider nix mehr, so bleiben mir die Schladminger Tauern dann für 2020. Ich freu mich schon sehr darauf.

Statistik

  • Wegstrecke: 15,8 km
  • Zeit 4:42 (aktiv 4:13)
  • Höhenmeter: 1049 auf/905 ab

Tag 18: Schwaberger Hütte – Donnersbachwald

Etappe 19 und der größte Teil von Etappe 20 stehen heute am Programm – gleich sieben 2000er wollen dabei überschritten werden.

Nachdem mich Ende Juli das Unwetter vom Berg gespült hat, denke ich nun schon lange nach wie ich es nun angehe. Öffentlich auf die Schwaberger Hütte zu kommen ist eine Tagesreise inkl. langer Wanderung – mit dem Auto hat es auch keinen Sinn weil ich ja nicht wieder zurück komme. So überlege ich auf die Planneralm zu fahren und einfach die Strecke hin- und retour zu gehen. Am Ende erbarmt sich aber meine Frau und beschließt kurzerhand ein Familienferienausklangswochenende in den Bergen. Quartier finden wir problemlos auch kurzfristig in Donnersbachwald und so teile ich die Etappen 19 – 21 auf 2 Tage auf.

Die mit dem Auto erreichbare Schwabergerhütte am Ende des laaaaangen Bretsteingrabens – Startpunkt meiner Weiterwanderung nach Donnersbachwald.

Nach einer trotzdem langen Anreise und einem gemütlichen Tratsch mit der Schwoagerin starte ich um 08:50 von der Schwabergerhütte los Richtung Große Windluckn (nachdem anscheinend viele Schwierigkeiten haben, den Weg zu finden habe ich den Track hier auch hochgeladen). Der Weg führt auf der Forststraße Richtung Talschluss, nach 200 m quert dieser einen Bach und man verlässt den Weg rechts den Hang entlang (Steigspuren und Markierung leicht erkennbar). Nach ein paar Minuten kommt man zu ein paar zusammenstehenden Bäumen, die man auf der rechten, steileren Seite passiert. Oberhalb der Baumgruppe erreicht man dann die offene Alm und der Steig ist aber hier gut erkennbar. Wichtig ist es, nach insgesamt ungefähr 10-15 min biegt man endgültig nach links ab und verlässt die Almfläche der Schwabergalm. Kurz vor der Windluckn teilt sich der Weg – ich gehe die linke, etwas kürzere und steilere Variante – die Wege führen aber nach ein paar Minuten wieder zusammen. So erreiche ich nach 35 min die Große Windluckn und bin damit wieder „on track“.

Auf der Großen Windluckn (im Hintergrund der Schatterkogel) bei Schönwetter

Nun geht es recht knackig hinauf auf den Kreuzkogel (schönes Kreuz) und dann über eine kleine Einsattelung weiter auf den höchsten Punkte heute – die Breiteckkoppe (einfaches Kreuz), die ich nach knapp 1,5 h um 10:11 erreiche. Von hier aus geht es zuerst 200 m runter und dann recht gemütlich (u.a. durch ein Latschenfeld) dahin, bis es dann wieder kurz steil hinaus auf den Kreuzberg (kein Kreuz, grade mal eine Markierung) geht. Und wieder 150 m runter und dann zuerst links vom Grat, später am Grat rauf auf den Hintergullingspitz, den ich um 11:21 erreiche.

Das kann kein Naturteich sein – doch wer braucht hier ein Pool?

Das Wetter ist inzwischen schöner geworden und der Wind etwas schwächer. Ab dem Kreuzkogel kann ich sogar schon den Rest des Weges bis zur Karlspitze erkennen und ich komme gefühlt auch gut voran. Um 11:49 erreiche ich mit dem Großen Rotbühel dann 2000er #5 und damit auch den letzten Berg von Etappe 21 – hier wäre nun der Abstieg in den Kessel der Planneralm vorgesehen. Anmerkung: der Gr. Rotbühel selber ist nicht direkt am Weg, sondern mit 5 min Umweg zu erreichen – aber man versäumt nix, wenn man ihn auslässt, auch kein Gipfelkreuz :).

Ich bleibe aber oben am Rand des Kessels und quere nach einer gemütlichen Mittagspause weiter über einen kurzen Aufstieg auf die Gläserkoppe (die zähl ich jetzt aber nicht mit) auf die Jochspitze (natürlich auch ohne Kreuz) und gemütlich aber dann doch etwas langwierig rauf zu Gipfel #7 die Karlspitze (sogar mit Gipfelkreuz und -buch – wer hätte das gedacht), von wo an der Weg lange runter nach Donnersbachwald führt. Es ist 13:18, als ich auf der Karlspitze ankomme und ich habe genug Zeit für eine 2. Pause – der Wind hat inzwischen ganz nachgelassen.

Der letzte Aufstieg des heutigen Tages zur Karlspitze hinauf. Der Abschnitt Planneralm – Karlspitze ist übrigens der erste seit dem Ingeringsee, wo ich andere Wanderer sehe – direkt ungewohnt.

So wandere ich von der Karlspitze hinunter in die Karlscharte und biege dort scharf nach links hinten ab. Die nächste halbe Stunde wandere ich lange quer am steilen Hang unter dem Gipfel in den Talboden hinein, bis dann der Weg nach rechts abdreht und mich zur schönen Michelirlingalm führt (bewirtschaftet, aber keine Einkehr), es ist inzwischen 14:20 und ich bin 5 1/2 h unterwegs. Nach der Alm geht es nicht auf der Forststraße sondern gleich rechts runter eine Abkürzung zur nächsten Kurve. Ach ja – es hat inzwischen zugezogen, nieselt ganz leicht (zuwenig für den Regenschutz) und es donnert. Also gehe ich flotten Schritts weiter und übersehe gleich die nächste Abkürzung (der Weg hätte die Straße quasi nur gequert), komm aber gleich drauf und marschiere retour durch den Wald.

Die idyllische Michelirlingalm – Ende des schönen Teils der Wanderung

Dann aber zieht sich der Weg 1,5 km auf der Straße bevor er wieder (sehr gut markiert) rechts abbiegt und dann den Plotschengraben runter führt. Wieder am Weg biegt er bei der Kalchgruberalm in einen Nebenweg ein – Markierung hab ich hier keine gefunden. So geht es in Kehren dann runter bis zum GH Perwein und dann erreiche ich um 15:37 die Hauptstraße und marschiere tapfer auf der Bundesstraße die 3 km bis zu meinem Quartier, dem JUFA,wo ich dann um 16:11 ankomme. Naja, so schön der Weg von der Schwabergerhütte bis zur Michelirlingalm auch ist, so fad ist er von da an bis zum Ziel.

Nachsatz: Sieben 2000er an einem Tag – eine schöne Sache. Mit 1.400 hm sind es zwar „nur“ um 600 hm weniger als von der Edelrautehütte bis Schwabergerhütte und mit 22,3 km sogar etwas weiter, doch sind die beiden Etappen hinsichtlich der Schwierigkeit nicht vergleichbar. Die flacheren Übergänge und auch sanfteren Anstiege machen die Etappe aus meiner Sicht viel leichter. Im Vergleich mit dem Piz Buin von voriger Woche merke ich vor allem das Rucksackgewicht (6 statt 14 kg) massiv, das ist wirklich ein großer Unterschied.

Statistik

  • Wegstrecke: 22,3 km
  • Zeit 7:25 (aktiv 6:23)
  • Höhenmeter: 1375 auf/1915 ab
  • Nächtigung: JUFA Donnersbachwald

Hochtour auf den Großen Piz Buin

Die #3 unserer 9 summits Tour ist auch der am weitesten entfernte Gipfel, der mit 3312m Seehöhe den höchsten Punkt Vorarlbergs markiert.

Lange ist es her, dass ich Gletschereis unter meinen Füßen hatte – genaugenommen seit Juli 2017, wo wir den Glockner über den Normalweg bestiegen hatten. Dementsprechend ist die Vorfreude groß, als wir am 21.08. um 08:30 vom Bahnhof St. Pölten klimaschonend mit dem Zug nach Landeck und von dort weiter mit dem Bus auf die Bielerhöhe fahren, um den Piz Buin als 3. Teil unserer 9 summits Tour zu besteigen. Wir sind diesmal Fritz, Lois, Sepp und ich, da Hannes leider kurzfristig absagen musste.

Ein Fragezeichen war aber auch das Wetter – die Prognose lautet Mittwoch abend Regen, Donnerstag Wetterbesserung aber ab Mittag Gewitter (wieder mal). Um 16:00 treffen wir auf der Bielerhöhe ein, es ist wolkenverhangen aber es regnet nicht und es dürfte auch noch ein wenig halten.

Tiefe Wolken aber kein Regen empfangen uns am Silvretta-Stausee.

Also vertrödeln wir keine Zeit und marschieren gleich los, rund 7 km und 2:15 h ist der Weg angeschrieben. Wir nehmen den Sommerweg, der allerdings über weite Teile aus Wasserstellen und kleinen Bächen besteht – es dürfte hier doch viel in den letzten Tagen geregnet haben.

Bei rund 2200 m erreichen wir die Nebelgrenze, doch die Sicht bleibt halbwegs gut im Bereich > 50 m und der Nebel stört uns bis auf die fehlende Aussicht nicht wirklich. Nach rund 1,5 h Gehzeit erreichen wir die „Schlüsselstelle“ – einen doch recht stolzen Bach, den wir durchqueren müssen. Wie das die uns entgegenkommenden Wanderer in ihren Turnschuhen geschafft haben ohne nass zu werden, bleibt mir aber ein Rätsel (die Kameraden klären mich später auf – sie waren eh alle triefend nass). Das Wetter hält und so erreichen wir um 18:05 nach 2:03 Gehzeit gerade rechtzeitig zum Abendessen die Wiesbadner Hütte.

Aus dem Nebel erscheint endlich die Hütte – Glück gehabt und nicht nass geworden.

Am nächsten Morgen gehen wir ganz zeitig los, um den noch schönen Vormittag auszunutzen. Natürlich denken sich das die rund 10 anderen Gruppen auch, und so maschieren sicher über 50 Leute zwischen halb 7 und 7 Richtung Gipfel, wir starten um 06:50.

Die früheren Wege über die Grüne Kuppe sind aufgrund der Gletscherschmelze nicht mehr begehbar, so führt der Weg gleich nach der Hütte runter in den Talboden und dann am Gegenhang – unmittelbar unter dem Gletschertor vorbei über die junge Ill (diese entspringt quasi im Gletscher) ganz nach Westen, wo neben dem Gletscher eine Steilstufe überwunden wird – inkl. ein paar heiklen Stellen, da der Fels hier durch den Gletscher abgeschliffen ist.

Um ca. 08:00 (also nach 1:10) erreichen wir auf einer Höhe von 2650 m den Anseilplatz, wo wir uns mit Steigeisen und Seil ausrüsten. Danach haben wir 2 Möglichkeiten – entweder rechts vom Gletscher im Geröll oder den an dieser Stelle doch etwas steileren Gletscher direkt hinauf – der Gletscher ist die bessere Lösung.

Um 08:30 sind wir dann oben am relativ flachen, aber sehr spaltenreichen Ochsentaler Gletscher – da dieser aber nahezu aper ist, sind die Spalten gut zu sehen. Wir wählen im Aufstieg die etwas direktere Variante, d.h. wir umgehen die große Spaltenzone unten und dann links vorbei Richtung Buin Lücke – kommen aber dabei doch relativ nahe an die Abbruchzone mit entsprechend großen Spalten heran. Das ist zwar so kein Problem, kostet aber etwas Zeit. Nach 2:45 erreichen wir um 09:35 dann die Buinlücke und somit das Depot für die Eisen.

Nach kurzer Verschnaufpause starten wir um 09:45 dann weiter Richtung Gipfel. Ich bin schon gespannt, denn in den Tourenberichten habe ich von 2 Kaminen mit 2- bzw. 2+ gelesen. Zuerst geht es steil bergan, doch nach ca. 10 min erreichen wir den ersten Kamin. Sicherheitshalber nutze ich hier die bestehenden Bohrhaken und hänge uns mit Expressen gesichert ein, wir gehen auch hier in Seilschaft. Unmittelbar nach dem ersten Kamin, der in meiner Wahrnehmung eigentlich keiner ist, erreichen wir dann eine steilere Stelle – auch hier sichere ich mit Expressen ab. Das war’s dann aber auch schon, um ca. 10:15 (also nach 20 min) stehen wir schon wieder auf einem steilen, schuttbedeckten Rücken und steigen in Serpentinen zum Gipfel auf, den wir nach 3:40 um 10:30 erreichen.

Berg heil!

Nach einer halben Stunde Rast (am Gipfel ist wirklich viel los) steigen wir am Aufstiegsweg wieder ab. Den oberen Kamin sichere ich an 2 Stellen mit HMS rück, das geht wirklich gut, unten versteigen wir uns kurz (wobei auch hier viele absteigen, denn es gibt hier mehrere Möglichkeiten) und gehen dann am Aufstiegsweg retour.

Wunderschönes Panorama und viele Bergsteiger am Gipfel.

Kurz vor der Buinlücke dann aber eine Schrecksekunde – vis a vis am Kleinen Piz Buin löst sich von ganz oben ein riesiger Feldbrocken, nimmt noch einiges an losen Material mit und stürzt direkt Richtung Lücke – wo sich gerade 10 – 20 Bergsteiger aufhalten. Wir schreien ihnen zu und nach ein paar Sekunden beginnen sie zu laufen. Keinen Moment zu früh, denn obwohl die meisten Felsen am letzten Hang abgelenkt werden und unterhalb des Ausrüsteplatzes zum Liegen kommen, schaffen es doch einige direkt bis zum Platz. Ein unten zu diesem Zeitpunkt anwesender Bergführer will sich später auf der Hütte sogar mit einem Bier bedanken und erzählt, dass nach dem Felssturz ein größerer Brocken auf seinem Seil lag und einige kleine Steine an ihm vorbei geflogen sind.

Das Depot auf der Buin Lücke und dahinter der Kleine Piz Buin unmittelbar nach dem Steinschlag (die Bergsteiger sind alle rechtzeitig geflüchtet).

Um 11:52 sind wir wieder am Ausrüsteplatz und nachdem wir uns hier nicht wirklich wohlfühlen starten wir um 12 mit dem Abstieg – diesmal wählen wir die aus jetziger Richtung obere linke Variante, umgehen das große Spaltenfeld südlich und biegen erst danach Richtung Anseilplatz ab. Abgesehen von sehr feuchten Verhältnisse gegen Ende ist dies jedenfalls die einfachere und spaltenärmere Variante und aus meiner Sicht eindeutig vorzuziehen.

Nach einer Stunde um 11:50 sind wir wieder am Anseilplatz, versorgen kurz unser Equipment und stiegen ab Richtung Gletschertor. Hier steigen wir anfangs zu schnell ab und landen im geschliffenen Feld – ein paar Meter unter dem Weg, somit müssen wir kurz retour. Retour über die Bäche steigen wir wieder zur Wiesbadner Hütte auf und so endet um 13:58 die Tour beim Ausgangspunkt.

Nachdem das Wetter super hält beschließen wir gleich nach einer kurzen Pause zur Bielerhöhe abzusteigen, diesmal nehmen wir aber den Fahrweg. Nach 1:36 Marschzeit erreichen wir um 16:18 die Bushaltestelle – eine wunderschöne Tour ist erfolgreich zu Ende gegangen.

Gleich sind wir wieder unten!

Fazit: Nach 2-jähriger Abstinenz merke ich wieder, wie viel anstregender Hochtouren im Vergleich mit dem Wandern sind. Einerseits liegt das sicher an der Ausrüstung (2,75 kg das Seil, 1 kg die Steigeisen – in Summe 6 kg an reiner Hochtourentechnik) die den Rucksack deutlich schwerer macht, andererseits aber sicher auch an der Luft. Technisch ist der Piz Buin nicht schwer, ich persönlich hab die 2 Kletterstellen sogar angenehmer empfunden als den Aufstieg auf den großen Geierkogel vor 4 Wochen, aber das ist natürlich immer Ansichtssache.

An dieser Steller wieder DANKE an Lois für unserer super Fotoprotokoll (diesmal von polarsteps – kannte ich bis jetzt nicht) und das Video!

Statistik:

  • Strecke: Bielerhöhe/Silvrettastausee – Sommerweg auf die Wiesbander Hütte – Ochsentaler Gletscher – Biunlücke – Großer Piz Buin. Retour am Aufstiegsweg bzw. ab der Hütte am Fahrweg.
  • Länge: 25,7 km (davon 11,4 km Gipfeltour)
  • Zeit 11:34 (aktiv 08:21, davon 3:39 Hüttenzu- und abstieg)
  • Detailzeiten Gipfeltour: gesamt 6:32, Hütte – Gipfel 3:40, retour 2:52
  • Höhenmeter: 1.482 (Gipfeltour 1.027)

Tag 17: Edelrautehütte – Schwabergalm

Groß ist mein Respekt vor der heutigen Etappe, obwohl ich sie aufgrund der Wetterprognose gekürzt habe.

Eigentlich wollte ich heute die lange Version bis zur Planneralm probieren. Doch die unsichere Wetterprognose (es sind am Nachmittag Gewitter angesagt) lässt mich eine Sicherheitsvariante wählen und ich gehe nur bis zur Schwabergalm – mit 8 bis 10 Stunden Gehzeit eh genug für einen Tag.

So beginnt der Tag um 4:45 nach einer angenehmen Nacht, da mich die Hüttenwirtin Doris noch aus dem Lager in ein Zimmer umgelegt hat, damit ich ja gut schlafen kann. Um 05:33 gehe ich dann auch los, nachdem ich das vorbereitete Thermofrühstück ganz alleine eingenommen habe.

Ein paar Meter runter zum Parkplatz, dann biege ich links ein und schon geht es knackig los. So bleibt es auch und pünktlich um 06:30 stehe ich nach 1 Stunde Gehzeit am Großen Hengst.

Weiter geht es leicht bergab und gemütlich Richtung Bösenstein, bis sich dann nach rund 1/2 h der Weg wieder aufsteilt. Dann seh ich überraschend das Gipfelkreuz – so früh hätte ich den Gipfel noch nicht erwartet – doch schnell wird mir klar, ist eh nur ein Wegweiser. Macht nix und nach 2:02 bin ich um 07:35 auf meinen 2. 2000er heute – den kleinen Bösenstein (der gar kein Gipfelkreuz hat) – wo ich mir eine erste kurze Pause von 10 min gönne. Man hätte alternativ auch über den Großen Bösenstein gehen können und ich bin nicht sicher, ob das nicht sogar schneller gehen würde. Aber ich war dort als Kind schon beim Ministrantenausflug oben.

Höchster Punkt am 02er bis jetzt – der Kleine Bösenstein (2.395)- mit Steinmanderl aber ohne Kreuz – das ist dem großen Bruder nebenan vorbehalten.

Nun geht es steil bergab runter zum Perwurzpolster und meine mühsam erarbeiteten hm sind fast allesamt dahin. Und so geht es gleich wieder – gut markiert aber eher weglos – über die steile Wiese rauf Richtung Zinkenkogel. Der Perwurzgupf wird dabei rechts umgangen.

Um 09:35 bin ich oben am Gipfel – diesmal mit Kreuz und ich mache eine Jausen- und Fotopause von 20 min, denn a) bin ich ganz gut in der Zeit und b) schaut das Wetter noch recht stabil aus – es bauen sich keine Gewitter in der Nähe auf. Vom Zinkenkogel aus sehe ich auch erstmals den Weiterweg zum Hochschwung rüber und auch den steilen Anstieg über die Geierkögel.

Am Zinkenkogel ist das Wetter ganz passabel und die Fernsicht auch.

Um 09:55 geht’s gestärkt weiter, zuerst mal runter zum Reiterecksattel (der als solches so nicht wirklich erkennbar ist) und die Römerstraße, die ich auch nur erahnen kann. Ich maschiere aber gleich weiter und überwinde den kleinen Geierkogel – kein Problem der Gupf. Doch auf den großen Geierkogel hinauf schaut die Welt schon anders aus – der ist wirklich steil. An den schwierigen Stellen wurden Seile montiert, was die Sache technisch natürlich deutlich entschärft. Völlig überraschend treffe ich hier einen Wanderer – der sich als Einheimischer herausstellt, der den Weg gerade frisch markiert (danke dafür!). Kurz nach dem Wetter gefragt (es zieht sich inzwischen doch langsam zu) bekomme ich eine beruhigende Antwort – bis 2/3 Uhr dauert es sicher noch, bevor die Gewitter losgehen.

Der Aufstieg ist sehr anstrengend und ich will auch nicht zu viel Zeit verlieren – hinter mir hat sich in kürzester Zeit eine schwarze Wolke gebildet. Und so stehe ich um 11:40 oben und meine Beine wollen Pause machen. Doch ich riskier lieber nicht zu viel Zeit zu verlieren und geh gleich weiter – es geht ja eh schon wieder mal bergab.

Aber nicht lange und es geht wieder bergauf zum Schatterzinken. Hinter mir regnet es, wenn auch nicht viel und rundherum Donnergrollen. Also lass ich den Zinken Zinken sein und umgeh ihn ganz gemütlich rechts. Nach vorne schaut es derweil noch ganz gut aus und ich hoffe, trocken bis zur Alm zu kommen.

Doch kurz vorm Seitnerzinken (übrigens ein ganz gemeiner Berg, auf den man gefühlt 3 mal raufgeht bis man endlich oben ist) erwischt es mich doch und ich bekomme endlich das, was ich seit Tagen (wenn auch in etwas anderer Form) haben will – ein Eis. Doch die Hagelkörner sind klein und das Gewitter harmlos und nach 10 min schultere ich meinen Rucksack und es geht weiter. So stehe ich um 13:35 am Seitnerzinken und sogar die Sonne kommt wieder hervor – alles bestens und anscheinend Glück gehabt.

Am Seitnerzinken – einen hab ich noch, dann ist die Monstertour geschafft.

Genau 8:02 h bin ich unterwegs und wenn das Wetter schön wäre, würde ich jetzt eine ausgedehnte Pause machen und gemütlich zur Planneralm weitergehen. Doch so hetze ich weiter, denn ich trau dem Frieden nicht.

Und 10min vor dem letzten Gipfel – dem Schrattnerkogel ist es dann soweit. Dunkle Wolken ziehen plötzlich auf, es beginnt zuerst zu hageln und dann zu schütten – und es hört nimmer auf. Am Anfang versuche ich mal in halbwegs geschützter Position das Wetter abzuwarten, doch es wird nicht besser, nein es wird eher schlechter. Als dann auch noch Nebel einfällt beschließe ich weiterzugehen – der Abstieg auf die Schwabergalm ist nicht markiert und ich brauche Sicht, um sicher runterzukommen. Zuerst versuche ich den Gipfel südlich (links) zu umgehen, doch das Gelände wird steiler – bei den nassen Boden zu gefährlich. Also steig ich auf und komme wieder auf den Weg. Oben am Gipfel hat das Wetter kurz Erbarmen, der Regen lässt nach – dafür blitzt es unmittelbar vor mir, auch nicht gerade entspannend. So eile ich weiter bis der Grat ein Rücken wird und ich gefühlt nimmer der einzige hohe Punkt in der Gegend bin.

An einem kleinen Buckel angekommen checke ich die Karte – ich bin auf der kleinen Windluckn, doch von einem Steig ist nix zu sehen. Ein Blick runter zeigt mir aber an – hier kann man absteigen und die Hütte seh ich auch. Also geh ich mal ein paar Meter weiter und da geht ein schöner Steig weg – super, ich hab ihn gefunden. Also maschier ich den Steig entlang, doch der führt mich direkt in steiles mit Büschen bewachsenes Gelände und endet abrupt. Die Bodenverhältnisse sind inzwischen sehr schlecht, die Wege Bäche und alle Gräben und Wannen mit Wasser gefüllt. Ich kehre gerade noch rechtzeitig um und beginne zu verstehen, warum manchmal Wanderer plötzlich weder vor noch zurück können.

So suche ich mir jetzt einen Weg runter – ist gar nicht sonderlich schwer und ich finde sogar den Steig, den ich folge. Ein Stacheldraht muss überstiegen werden (ist aber kein Problem) und ich nähere mich der Alm. Den Steig verlier ich aber wieder und am Ende folge ich einen Graben (also aktuell einem tosenden Bach) und gehe runter bis zum Wald. Dort folge ich rechtshaltend einem Feldweg, der führt mich aber nur auf eine andere Wiese und endet dort. Wo ist denn nun die Alm? Das Handy ist tot – Akku dürfte leer sein, also gehe ich durch den Wald schräg nach links mit dem Ziel den Talboden zu erreichen, mein Gefühl sagt mir dass die Alm weiter draussen ist.Tatsächlich komme ich bei einem kleinen Teich raus und sehe von dort das Dach der Hütte – ich habe sie also genau erwischt und bin ca. um 15 Uhr völlig durchnässt auf der Alm wo ich herzlich empfangen und versorgt werde.

Das Handy ist – wie sich später herausstellt – nicht leer, es ist leider in meiner Hosentasche ersoffen – das also zum Thema iPhones sind wasserdicht ;(. Damit auch kein Track und keine Fotos – so ein Sch… . Aber die Handyrettung meint – 80% kriegen sie wieder hin, dauert aber 2 Wochen. Na schauen wir mal … . Update 16.09.: das Handy lies sich (fast) retten, die Daten sind zumindest alle wieder da.

Ja, und damit war an Weitergehen nicht zu denken – die Schuhe waren nach einer Nacht im Backofen noch immer nass und nettenswerter Weise nimmt mich der Baggerfahrer, der den Weg am Sonntag notdürftig saniert hat (es hat dann noch lange weiter gewettert und es war wirklich schlimm), mit nach Judenburg, wo er sich mit seiner Tochter verabredet hat. So lande ich nach einigen spannenden Erfahrungen Offline zu reisen (und einem ganz netten Schaffner, der mir sein Handy geborgt hat damit ich ihm meine Vorteilscard zeigen kann) am Abend wieder daheim.

PS.: @smeki – Somit hab ich mich also wohl doch an Deine Vorgabe gehalten!

Tag 16: Bergerhube – Edelrautehütte

Heute geht es erstmals über 2000m und auch sonst geht es auf der anstregenden Etappe Richtung Edelrautehütte durchaus anspruchsvoll zu.

Heiß soll es auch heute wieder werden, mit nachmittäglicher Gewittergefahr. So starte ich schon um 06:22 von der Bergerhube, wo ich alleine die Nacht Lager verbracht habe. Ein gutes Frühstück hat mir die Hüttenwirtin noch am Vorabend vorbereitet, so war der frühe Start auch möglich – danke dafür.

Kurz geht es am Weg von gestern retour Richtung Süden, doch schon bald zweigt der Weg nach rechts ab und ich steige auf Richtung Mödringalm, die ich auch schon bald um 07:07 erreiche. So wie es ausschaut, ist die Alm verlassen und beginnt auch langsam zu verfallen – schade drum.

Los gehts – Blick Richtung Süden.

Es geht weiter im Wald und der Weg beginnt auch steiler zu werden. Auf einer kleine Alm teilt sich der Weg und ich zweige nach rechts Richtung Knaudachtörl ab, links würde es zum Gamskogel weitergehen.

Immer weiter schraube ich mich hinaus, der Weg ist schön, gut begehbar aber durchaus knackig. Die Sonne ist schon heraußen und heizt mir ein – ich bin froh, so früh abmaschiert zu sein, denn die Latschen geben keinen Schatten mehr.

Endlich komme ich hinaus zum Törl und bin überrascht – das Törl ist doch viel weiter rechts und ich muss auf der steilen Wiese hinüberqueren. Unangenehm zu gehen – bei Nässe macht das sicher keinen Spaß, auch aus dem Grund weil an einigen Stellen kleine Rutschungen den Weg immer wieder verschluckt habe.

2000m geknackt! Am Knaudachtörl mit Blick Richung Sonntagskogel.

Um 08:27 (also nach 2:05) ist es geschafft – ich steh am Knaudachtörl und habe somit erstmalig am ZAW die 2000 m Marke überschritten – heureka. Nach kurzer Pause geht’s um 08:40 schon wieder weiter – der Übergang zum gut sichtbaren Triebener Törl steht an. Eine Stunde soll es dauern und der Weg wird durchaus schwierig beschrieben.

Zuerst geht’s einmal durch die Latschen runter in in den Almboden – bei diesen trockenen Verhältnissen super einfach. Der Weg wurde auch vor kurzem neu markiert – bei perfekter Sicht also bisher kein Problem. Anschließend biege ich nach rechts Richtung Gegenhang des Grießsteins ab, wo ich trotz Suche erstmalig den Weg kurz verliere. Doch kein Problem, einfach die steile Wiese bis knapp unter 2000 m wieder aufsteigen, dann sieht man sicher einen Pflock, der den Weg durch die Latschen weist. Anschließend immer wieder durch Latschen (Weg gut sichtbar) und Geröllfelder (Weg manchmal schwer zu finden – Tipp: eher knapp unter der Markierung bleiben, sonst ist sie manchmal nicht sichtbar).

Um 09:27 bin ich dann endlich am Törl angekommen und gehe gleich weiter auf den Sonntagskogel. Durchaus steil zieht es sich am Ende ein wenig und überrascht sogar mit einem Minikletterstück, dass ich hier nicht erwartet habe. Um 10:27 ist es aber geschafft und ich mach mein erstes ZAW-2000er Gipfelselfie. Eine 10min Pause gönn ich mir, es geht aber gleich weiter runter ins Weingrubentörl (mit einer für mich unsichtbaren Abstiegsmöglichkeit Richtung Tauernpass und wieder rauf auf den höchsten Punkt heute – den Geierkogel.

Liebe Grüße vom Sonntagskogel.

Nach einer guten 3/4h Gehzeit dort angekommen bin ich enttäuscht, weil es wieder kein Gipfelkreuz gibt, im 2. Blick finde ich es liegend am Abgrund, dürfte ein Winter-/Sturmschaden sein. Pause gönnen mir die aggressiven Schmeißfliegen auch nicht und so steige ich gleich wieder ab, finde nach einigem Metern aber einen ruhigen und Fliegenfreien Pausenplatz.

Das umgefallene Gipfelkreuz am Geierkogel.

So geht es um 11:43 zuerst querend zum vorderen Geierkogel und dann mehr oder weniger steil absteigend über Wiesen und später riesige Heidelbeerfelder bergab Richtung Hohentauern. Kurz nach Erreichen der Baumgrenze muss ich zwischen rechts Richtung Passhöhe (also Ort Hohentauern) oder geradeaus Richtung Hotel Moscher entscheiden und ich entscheide mich entgegen dem Rat vom Wirten der Bergerhube Richtung Moscher zu gehen. Zuerst am Weg, dann auf der Piste verlier ich rasch den Weg (falls es einen gibt) und steige ziemlich unangenehm und steil auf einer roten Piste zum Moscher ab.

Endlich angekommen freu mich mich auf einen Eisbecher (auf den freu ich mich schon seit Mittwoch) doch der Moscher hat GESCHLOSSEN. So ein Sch… – also zum Stempel holen rauf nach Hohentauern, das war nicht so geplant. Doch gleich 100m weiter ist ein kleiner Gasthof, wo ich um 13:33 meinen Stempel bekomme.

Nun geht es 13:50 endgültig Richtung Edelrautehütte – also zuerst zurück zum Moscher, dann in einen Feldweg abbiegend und später weglos (alte Markierungen sind tw. noch sichtbar) über eine Wiese rauf Richtung Hütte. Bei einem kleinen Wald angekommen die böse Überraschung – ein Stacheldrahtzaun hindert mich am Weiterkommen. Mit Hilfe eines Baumes komm ich aber drüber und gehe noch kurz die saure Wiese rauf, um beim Gretelweg anzukommen, der mich dann endgültig rauf Richtung Edelrautehütte bringt, wo ich um 15:17 meinen Wandertag beschließe.

Ein Märchenweg mit 7 Stationen motiviert mich für die letzten Meter von Hohentauern auf die Edelrautehütte – obwohl mein Track in Summe 1 km länger anzeigt als die Angabe auf den Tafeln.

Nun wird mit der Wirtin beraten – morgen sind am Nachmittag Gewitter angesagt und ich weiß nicht, ob ich den Übergang zur Planneralm wagen soll. Doch auch haute ist nix gekommen und die Prognose ist nicht so schlecht, also geh ich doch – nur eben nur bis zur Schwabergalm, wo ich mich telefonisch ankündige. Das sollte sich bei frühen Start ausgehen – ansonsten hätte ich als Alternative um knapp nach 2 den Bus nach Judenburg genommen und abgebrochen (der einzige Bus am SA, SO fährt gar keiner).

PS: Mehr Fotos zum Tag gibt es hoffentlich in 2 Wochen, warum kann man im Bericht von morgen nachlesen ;(. Update 16.09: Handy inzwischen gerettet und alle Fotos online.

Statistik

  • Wegstrecke: 22,1 km
  • Zeit 8:55 (aktiv 7:46)
  • Höhenmeter: 1991 auf/1500 ab

Tag 15: Ingering II – Bergerhube

Entlang des Ingeringgrabens und vorbei am wunderschönen Ingeringsee geht es übers Kettentörl zur Bergerhube.

Eine allerletzte Etappe trennt mich nun von den Gebirgsetappen und ich freue mich schon sehr. Zuerst muss ich aber einmal fast 10km den Ingeringgraben entlang und zwar bis fast vorm Schluss auf Asphalt. So mache ich mich schon um 07:33 auf den Weg um der Hitze zu entgehen – besonders lang ist die Etappe ja eigentlich nicht.

So bin ich dann schon kurz vor 3/4 9 am See – wirklich ein wunderschönes Platzerl. Nach einer kurzen Pause geht es dann auch schon weiter zum Kettentörl. Erst auf einer Forststraße biegt der Web dann bald auf einem schönen Waldweg ab – immer entlang des Ingeringbaches – wirklich wunderschön. Doch nach einem Steilstück biegt der Weg wiederum auf eine Forststraße ab, der ich wiederum längere Zeit folgen muss, schade.

Doch endlich ist es mit der Forststraße vorbei und quer über eine Alm geht es doch recht steil – inzwischen wiederum in der brennenden Sonne hinaus aufs Kettentörl. Am Weg Treff ich auf eine Wanderin, die ob der Hitze nicht mehr weitergehen will – ich versteh sie nur zu gut. So erreiche ich um 12:14 endlich das Kettentörl.

Wundersdchöne Aussicht vom Kettentörl (Blick Richtung Triebental – rechts der Kettentalkogel)

Eigentlich wollte ich ja einen Abstecher zum Kettentalkogel machen. Doch die große Hitze überredet mich, mit dem Überschreiten der 2000m Marke bis morgen zu warten und meine Kräfte zu schonen. So mache ich kurz Rast und starte um 12:55 den Abstieg zur Bergerhube. In einigen Berichten habe ich hier von tw. unangenehmen Bedingungen gelesen – aber nachdem es staubtrocken ist und auch die Latschen nicht zu aufdringlich sind, geht es gut voran und bald erreiche ich den Wald.

Schließlich erreiche ich den Baumfriedhof ((C) smeki) der mir einen wunderschönen Tiefblick ins nicht ganz so wunderschöne Tal erlaubt (neue Kleinkraftwerke und die entsprechenden Erschließungsstraßen) und mich steil in Serpentinen nach unten bringt. Am Talboden verliere ich zwischen Schutthalden kurz den Weg, finde ihn aber bald wieder und erreiche nach einem kurzen Marsch talaufwärts schon um 14:16 die Bergerhube, wo ich einen wunderschönen und erholsamen Nachmittag verbringe und am Ende sogar das Lager für mich alleine habe.

Hab ich mich verlaufen und bin in Schottland gelandet? Nein doch nicht – auf der Bergerhube werden Hochlandrinder gezüchtet.

PS: Im anderen Lager verbringen 2 lustige Familien aus Schleswig-Holstein ihre ersten Urlaubstage in den Bergen – angereist mit Polster und Tuchent, denn sie wussten trotz mehrerer Anrufe nicht, was ein Hüttenschlafsack ist.

Statistik

  • Wegstrecke: 22 km
  • Zeit 6:43 (aktiv 5:43)
  • Höhenmeter: 1023 auf/674 ab

Tag 14: Knittelfeld- Ingering II

Weiter geht’s über den Tremmelberg und Seckau nach Ingering II – dem Portal in die Berge.

Endlich geht es richtig weiter am Zentralalpenweg. Ich möchte meine erste wirklich lange Wanderung von Knittelfeld bis St. Nikolai im Sölktal gehen – das sind 7 Etappen, die ich in 5 oder 6 Tagen schaffen will.

Mit dem Zug kommt man von Wien, wo ich kurz noch im Büro war, recht komfortabel nach Knittelfeld – eigentlich wollte ich später fahren, doch die Wetterprognose (heiß, heißer am heißesten) lies mich umplanen und so bin ich schon um 13:05 abmarschbereit.

Los geht’s durch das brütend heiße Knittelfeld und ich mach noch absichtlich einen Umweg durch das Zentrum auf der Suche nach einen Bankomaten (der in Seckau am Weg gelegen wäre). Aber so seh ich wenigstens den Hauptplatz.

Der Hauptplatz von Knittelfeld wirkt recht ansprechend.

Bald schon geht es raus aus der Stadt, drüber über die Schnellstraße und ich gehe ganz gemütlich Richtung Tremmelberg, dessen Turm ich auf der Brücke das erste Mal erspähe. Zuerst auf Asphalt, dann auf Forststraßen, die aber auch nicht wirklich kühler sind. Vorbei beim schönen Bauernhof Böcksteiner verpasse ich noch kurz eine Abzweigung, die aber eh nur eine Abkürzung zum Feldweg ist. Dann wird es steil und obwohl ich im Wald gehe ist es noch immer fast unerträglich heiß.

Ich finde diese liebevoll gepflegten Rabatte einfach bewundernswert – hier beim Böcksteiner.

So bin ich mehr als glücklich, als ich um 14:53 nach gut 1 3/4h endlich das Monument am Tremmelberg erreiche. Gewarnt durch Gert quetsche ich mich durch das wirklich enge Drehkreuz und ersteige 174 Stufen – die Aussicht ist wirklich sehr schön.

Am Tremmelberg

Dann geht es zuerst rüber zur Kapelle und dann runter nach Seckau. Ich nehm hier nach kurzen Orientierungsproblemen einen gut ausgetretenen Waldweg – der Wanderweg wäre links am Feldweg entlang. Doch bald führen die Wege zusammen und ich stelle fest, mein Weg wäre eh der Orginalweg gewesen.

In Seckau schau ich mir zuerst das Stift an und kehre dann im GH Post ein – der ZAW- Stempel hier ist leider unbrauchbar. Nach in Summe 1h Pause starte ich um 17:13 meine letzten 10km nach Ingering – leider fast alles auf Asphalt, was mich nicht so stören würde, wenn. Ich der Glutofen da oben nicht noch immer Vollgas geben würde.

Stift Seckau

Aber irgendwann bin ich dann doch am Ziel – eine gemütliche Eingehetappe hab ich erwartet, doch es war wirklich anstrengend.

Meine heutige Unterkunft bei Fam. Bäuchler in Ingering II.

Statistik

  • Wegstrecke: 21 km
  • Zeit 5:52 (aktiv 4:49)
  • Höhenmeter: 831 auf/600 ab

Tag 13: Am Straßegg – Mixnitz

Am heutigen 13. Tag schließe ich meine Lücke und wandere über Almen, den Hochlantsch und die Bärenschützklamm runter zum Bahnhof Mixnitz, wo ich vorigen Herbst die Gleinalmüberschreitung abgeschlossen habe.

Nach einer sehr ruhigen und angenehmen Nacht ganz alleine im Lager starte ich um 07:14 meinen Weiterweg zum Etappenziel Mixnitz. Das Wetter ist gut – wenn auch deutlich wärmer als gestern und falls die Zeit es zulässt möchte ich als Fleißaufgabe den Hochlantsch mitnehmen.

Durchaus sportlich geht es los, und am Anfang wiederholt sich der gestrige Tag – viele Kreuze, viele entgegenkommende Wallfahrer und Almen und Wald wechseln sich ab.

Mitten auf der Alm ein Zelt – das sieht man auch nicht zu oft. Hier feiert die Landjugend Gasen wohl ein Fest.

Beim Landjugend Festplatz am Haberlstall teilt sich der Weg – ich wähle die direkte Linie hinauf aufs Wallfahrerkreuz. Oben angekommen biege ich scharf links entlang dem Zaun ab – 2 Wallfahrer kommen mir von dort entgegen – bis ich nach wenigen Metern erkenne, die geplante Route geht ja gerade aus. So wieder zurück und am Kreuz wandere ich einen Fahrweg entlang quer über die Ausläufer der Sommeralm (Kerschbaumalm?) runter Richtung GH Holzmeister, welches ich nach 1:25 um 08:39 erreiche. Oben hätte man auch rechts Richtung Heulantsch abbiegen können – sicherlich auch eine interessante Alternative zur Teichalm.

Beim GH vorbei kurz auf der (nicht wirklich stark frequentierten) Straße geht es gleich wieder rechts weiter auf einem gemütlichen Weg Richtung Teichalm. Doch vor dem schon erwarteten See erreiche ich zuerst das Hotel Pierer, dann geht’s runter zum See und zum GH (inzwischen Hotel) Vorauer, wo ich mir den Stempel hole und um 09:25 eine erste Pause einlege. Hier checke ich auch mein Handy, denn Sepp hat angekündigt, mir entgegengehen zu wollen und das wäre der geplante Treffpunkt. Doch keine Nachricht – ist sich also doch nicht ausgegangen, schade.

Die Teichalm ist wirklich außergewöhnlich groß und auch entsprechend beeindruckend.

So geht’s um 09:49 weiter und voll motiviert wandere ich den Hochlantsch hinauf, den ich um 10:50 nach genau einer Stunde erreiche. Am Gipfel angekommen erreicht mich doch noch ein SMS – Sepp ist kurz nach 11 auf der Teichalm – er kommt von Mixnitz rauf. So ein Sch… – jetzt ist es zu spät. Also kurz telefoniert – wir treffen uns beim Steirischen Jokl, wo ich um 11:27 eintreffe und auf ihn warte. Gemeinsam machen wir gemütlich Pause und beginnen um 13:04 mit dem Abstieg.

Zuerst den Fahrweg runter, am gefühlt doppelt überbelegten GH „Zum guten Hirten“ vorbei geht es runter in die Bärenschützklamm, einem kleinen Highlight meiner Tour. Gottseidank kommen uns nicht allzuviele Klammbezwinger entgegen und wir kommen rasch vorwärts (am besten geht das Ausweichen, indem wir uns einfach aufs Geländer setzen). Die Wartezeiten nutzen wir zum Genießen – die Klamm ist wirklich sehr schön und auch bestens gewartet, da zahl ich unten gerne die 3 EUR Erhaltungsbeitrag.

Danach geht es doch relativ lang und für mich überraschend steil (hab die Karte schlampig gelesen) raus Richtung Mixnitz und nach einer weiteren Rast bei der Klammwirtin geht meine erste Begehung 2019 am Bahnhof Mixnitz um 15:50 zu Ende (ich hätte also locker den Zug um 15:39 geschafft).

Statistik Tag 13:

  • Wegstrecke: 24 km
  • Zeit 8:36 (aktiv 5:39)
  • Höhenmeter: 972 auf/1.659 ab

Tag 12: Auf der Schanz – Am Straßegg

Perfektes Wanderwetter begleitet mich bei der Fertigstellung von Etappe 10, welche ich voriges Jahr abbrechen musste.

Endlich geht’s wieder weiter. Eigentlich hätte ich für voriges Wochenende (Fronleichnam) die Strecke Knittelfeld – St. Nikolai (5 – 6 Tage) geplant, doch Doris von der Edelrautehütte gab mir klar zu verstehen – nix da, zuviel Schnee, zu gefährlich. Dafür hab ich dieses Wochenende nun als Alternative den Lückenschluss von GH Auf der Schanz nach Mixnitz eingeplant, die Wetterprognose ist absolut stabil und ich pack gleich mal nur die kurze Hose ein.

Die Anreise ist etwas beschwerlich, insgesamt 4 mal muss ich umsteigen und die ÖBB mach es mehr als spannend und so bin ich zum ersten Mal entspannt, als ich kurz nach halb 12 endlich im Bus sitze, der mich direkt beim Schanzwirt absetzt.

Beim letzten Mal sah das noch ganz anders aus – nun ist das Rückhaltebecken für Stanz schon fertig gebaut.

Gestärkt geht es um 12:40 auch schon los und ich wandere schon bald abwechslungsreich durch Almen und kurze Waldstücke zuerst flach, dann doch etwas steiler hinauf zum Fürstkogel, der sich leider als Baustelle präsentiert.

Auf der Gegenseite geht es dann wieder runter bis zur Herrenalm, wo ich die Hütte umrunden muss um den Weiterweg zu finden (das einzige Mal heute, wo ich den Weg nicht sofort finde). Eine gute Stunde (1:08) bin ich bis hierher unterwegs.

Dann geht es wieder ein wenig – aber unschwer -bergauf bis ich schon wieder zum Ziel etwa steiler absteige und um 15:32 mein Tagesziel , das GH Pretterbauer, erreiche. Zeitlich wäre sich also eine Weiterwanderung zur Teichalm leicht ausgegangen, ein wenig ärgere mich also schon, dass ich das am Tag 8 nicht so gemacht habe.

Ziel erreicht. Der hier wirkende und weithin bekannte Stroßegger Rudi lässt es sich nicht nehmen jeden Wallfahrer ein Ständlichen zu spielen. Ich hab keins bekommen, bin ja nur ein Weitwanderer. Übrigens – seit 2011 haben sich gerade mal 49 02er Begeher ins Wanderbuch eingetragen.

Zusammengefasst ist das heute eine super gemütliche, kurze Tour die am meisten von den vielen Mariazell-Wallfahrern und den damit verbundenen Erklärungen warum ich in die falsche Richtung gehe, geprägt war. Vielen Dank an dieser Stelle auch noch der Wallfahrergruppe (bzw. Genuss- oder Saufgruppe, so genau wussten sie es selber auch nicht) an die für mich neue Form des Schnapstrinkens – nämlich als „getarnte Mannerschnitten“.

Statistik Tag 12:

  • Wegstrecke: 13,8 km
  • Zeit 2:52 (aktiv 2:48)
  • Höhenmeter: 444 auf/455 ab