Ötscher via Rauher Kamm und Himmelsleiter

Der einzige echte Berg, den ich von daheim sehe ist der Große Ötscher, den ich gerne als meinen Hausberg bezeichne. Am 5.10. ist es wieder einmal soweit und eine Begehung steht an.

Eine traumhafte Wetterprognose lässt uns schon frühzeitig den Freitag als Wandertag einplanen und so begleiten mich diesmal mit Sepp und Lois gleich 2 Freunde meiner Bergsteigergruppe.

Startpunkt ist wie meistens die Nestelbergsäge, die Idee einmal wieder „vorne“ runter zu gehen haben wir verworfen, denn a) hat der Lift unter der Woche schon zu (was nicht so schlimm ist – gehn wir halt zu Fuß) aber b) hat lt. Website der Ötscherlifte auch die Hütte schon(?) zu – und wegen eines Fotos mit dem Ötscherpenis (der ja inzwischen ein Bär sein soll) ist es mir den Umweg nicht wert.

Um 08:05 geht’s los und der Waldweg hinauf zur Bärenlacke lässt den Puls gleich mal ansteigen. Nach 20 min ist aber die Bärenlacke schon erreicht und die ersten 150 hm geschafft. Hier treffen wir auch auf den Weg von Raneck, dem üblichen Startpunkt der Ötscherrunde.

img_8243
Hinweistafel bei unserem Startpunkt.
img_8244
Beim Aufstieg zur Bärenlacke erhaschen wir einen ersten Blick auf unser Ziel – links der Rauhe Kamm, rechts der Gipfelaufbau.

Es geht zuerst etwas flacher durch den Laubwald, dann wird der Weg aber steiler und nach gut 1/2 Stunde Wegzeit muss man sich an einem vor kurzem abgeholzten Wegstück entscheiden – links retour in den Hochwald über den Rauhen Kamm oder rechts über die unmarkierte Himmelsleiter. Wir wählen den linken Weg und steigen dann durchgehend steil in Serpentinen den Wald hinauf. Hier ist man permanent mit der Wegsuche beschäftigt und schafft es kaum immer am Weg zu bleiben, was aber auch nicht weiter schlimm ist, denn es führen fast alle Pfade wieder zusammen.

Nach einer guten Stunde verlassen wir den Hochwald und queren weiterhin steil ansteigend einen offenen Jungwald. Um 09:20 treten wir am Grat aus dem Wald – nun beginnt der schönste Teil der Wanderung. 20 min gehen wir durch Latschen zum Rauhen Kamm, dessen erste Zacken wir nördlich umwandern. Kurz davor lockt uns ein Wegweiser in die Südwand zu den Ötscherhöhlen (Taubenloch, Geldloch und Co.), doch wir können gerade noch widerstehen – zu schön ist das Wetter heute. Dieser Weg würde  dann weiter runter zum Jägerherz führen und markiert damit auch den Aufstiegsweg von den Ötschergräben (auch eine wunderschöne Route, aber dann eher als 2 Tagestour).

img_8256
Mitten im Wald …

Am Rauhen Kamm sind die Bedingungen heute perfekt und der Stein trocken. Bei Nässe und Nebel kann dieser Teil sehr tückisch sein und einige Gedenktafeln am Weg erzählen ein paar schicksalshafte Geschichten von den alpinen Gefahren. Wir kommen aber gut voran und nach der Schlüsselstelle am letzten Aufschwung erreichen wir um 10:25 den Herrensitz, von dem wir flach über das Hochplateau zum Gipfel wandern, den wir inklusive einer Schneeballschlacht mit dem ersten Schnee der neuen Saison, um 10:47 erreichen.

Die Aussicht ist heute atemberaubend und wir haben klare Sicht über den gesamten Alpenbogen vom Traunstein im Nordwesten über den angezuckerten Großen Priel und das Warscheneck, im Hintergrund der Dachsteingletscher, die Schladminger Tauern und die Haller Mauern und natürlich zum Greifen nahe das Xeis und der Hochschab und weiter über die Eisenerzer und die Veitsch bis raus zum Schneeberg. Zum 2. mal sehe ich heute auch den 3254 m hohen Hocharn, mit rund 190 km Entfernung der höchste und am weitest entfernte Berg.

img_8279
Das obligatorische Gipfelfoto – man beachte den wolkenverhangenen Himmel im Hintergrund.
img_8276
Trauhafte Fernsicht – hier mit Blick Richtung meiner letzten Zentralalpenwanderung – der Gleinalpe (die man aber hinter der Hochschwab nicht sieht).

Wir können uns kaum satt sehen und brechen nach über einer Stunde Pause um 11:46 wieder auf. Zuerst geht es über den Aufstiegsweg bis kurz vor dem Vorgipfel und nach einer Doline biegen wir links weglos ab und erreichen den mit einem Steinmann markierten kleinen Nebengipfel mit dem Namen Taubenstein – den Einstieg in die  Himmelsleiter. Die ersten Meter weglos und kompromisslos steil geht es hier neben der Nordwand runter und es ist wie immer eine Rutschpartie und nicht ganz ungefährlich, ist man doch anfangs trotz Laschen im Absturzgelände unterwegs.

img_8294
Die Nordwand von der Himmelsleiter aus.
img_8286
Es schaut nicht nur so aus – es ist hier wirklich sehr steil.
img_8297
Die schnellsten 20 hm im Abstieg ..!

Nach rund einer 3/4 h ist aber das Schlimmste geschafft und nach einem kleinen Geröllfeld biegen wir links in einen Wald ein, wo man zuerst entlang der Abbruchkante zum Boden der Nordwand („In der Pfann“) entlang wandert und dann direkt in ein Geröllfeld absteigt. Ab hier geht es unschwer und deutlich flacher querend zur Abzweigung auf den Normalweg, die wir um 13:07 erreichen. Der restliche Abstieg entspricht den Aufstiegsweg und so erreichen wir um 13:28 das Auto.

Also Bonus hat Lois auch noch ein „Video“ unserer Tour gemacht (leider mangels Netz nicht vom Beginn an), vielen Dank dafür!

Abschließend noch ein Hinweis: für die wohlverdiente Stärkung empfehlen wir die Schindlhütte, die direkt am Rückweg Richtung Gaming bzw. Kienberg liegt.

Zusammenfassung:

  • Strecke: Nestelbergsäge (759) – Bärenlacke (948) – Rauher Kamm – Vorgipfel (1820) – Großer Ötscher (1893) – Taubenstein (1848) – Himmelsleiter – Bärenlacke – Nestelbergsäge.
  • Auf/Abstieg: 1.110 hm,  Länge 9,12 km.
  • Dauer: Start – Einstieg Kamm 1:34, Aufstieg gesamt 2:38, Abstieg 1:42.
  • Gesamt: 4:20 brutto ohne nennenswerte Pausen (Mittagspause abgezogen)

 

 

4-Gipfelwanderung hoch über Pettneu (25.07.2018)

Im Sommerurlaub 2018 nutze ich die Gelegenheit um ein paar Gipfel der Lechtaler von Pettneu am Arlberg aus zu erkunden.

Pettneu am Arlberg liegt wunderschön eingebettet zwischen dem Hohen Riffler (Verwallgruppe) im Süden und den Lechtaler Alpen im Norden. Ich kenne diese Berge nur im Winter und da sind sie für mich unerreichbar – so nutze ich diesmal die sich bietende Gelegenheit im Sommer zu einer Gipfeltour in den Lechtalern.

Die Wetterprognose ist günstig und so starte ich um 06:02 von meinem Quartier aus Richtung Kaiserjochhaus. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die kürzere ist jene über den Hundskopf, die ich auch wähle. Schöner und schattiger wäre es lt. den Einheimischen aber über den weiter rechts verlaufenden Stöcklweg.

Der Weg ist schon vom Anfang an steil, aber nach rund einer 3/4 h quere ich kurz eine Almwiese und dann wird es richtig steil. Eine schmale Grasrinne führt mich kompromisslos und auch nicht wirklich motivierend im Zick-Zack nach oben und ich bin wirklich froh, dass es noch so früh ist. Bald aber erreiche ich dann eine Almwiese und kann nach einem Aufschwung nach einer weiteren Stunde Gehzeit erstmalig das Kaiserjochhaus sehen.

Doch ich lasse die Hütte links liegen und gehe gleich weiter zum ersten Ziel – dem Malatschkopf, den ich nach einer kurzen Kletterei (es gibt auch eine Kette zum Anhalten) um 8:15 erreiche – knapp 1.100 hm gab es bis hier zu überwinden, es werden heute noch einige weitere folgen.

img_7477
Nach dem Verlassen von Pettneu zeigen sich schon die ersten beiden Ziele – der Malatschkopf  in der Mitte und rechts davon der Grieskopf.
img_7482
Durch diese Grasrinne geht es steil bergauf.
img_7483
An oberen Ende der Rinne eröffnet sich ein wunderschöner Blick auf den Malatschkopf.

Nach einer kurzen Müsliriegelpause garniert mit Hubschrauberversorgungsflugshow gehe ich gleich weiter zum Gipfel vis-a-vis, den 2581m hohen Grießkopf. Der ist zwar technisch einfach (nur am Einstieg eine winzige und einfache Kletterpassage), doch ziemlich zach. Knapp vor dem Gipfel sehe ich erstmals das Kreuz – und das ist doch noch ganz schön weit weg. Aber schließlich erreiche ich um 08:57 dann doch den höchsten Pumkt meiner heutigen Tour und werde mit herrlichen Ausblicken in die Lechtaler Alpen belohnt.

15 Minuten Foto- und Müsliriegelpause gönn ich mir, denn ich stehe jetzt bei rund 1.400 hm im Aufstieg, eigentlich reicht das ja schon. Doch ich habe noch mehr vor und steige ab zum Kaiserjochhaus, wo ich ebenfalls kurz Einkehr halte – irgendwie mache ich heute ziemlich viele Pausen. Um 9:59 geht es dann aber wieder weiter auf dem Höhenweg Richtung Leutkirchner Hütte, der gleichzeitig auch Teilstück von Nordalpen- und Adlerweg ist.

img_7498
Der Malatschkopf vom Grieskopf aus gesehen. Rechts kann man den Weg erkennen, der dann am Grat entlang und zuletzt in leichter Kletterei auf den Gipfel führt.
img_7517
Am Grieskopf mit Blick in die Lechtaler Alpen.
img_7543
Rückblick auf das Kaiserjochhaus und den Grieskopf.

Bald erreiche ich die Schindlescharte (2455) und bezwinge gleich mal den unmittelbar daneben liegenden Schindlekopf (2471) in einer weglosen aber unschwierigen Kletterei. Nach der obligatorischen Fotopause ein kurzer Uhrencheck und ich gehe ebenfalls weglos rauf zum Bergleskopf (2577), der steiler ist, als er aussieht und der nicht vorhandene Weg macht es auch nicht leichter. Wie dem auch sei, um 11:08 bin ich wieder retour auf der Scharte und habe einen Feind mehr – ein einsames Schaf, welches ich ungewollt vom Kopf bis zur Scharte runtergetrieben habe.

img_7544
Blick vom Schindlekopf auf den Bergelskopf. Im Vordergrund sieht man den Weg, links die 2455m hoch gelegene Schindlescharte.
img_7552
Auf der Schindlescharte zwischen Kaiserjochhaus und Leutkircher Hütte. Links unten sieht man St. Anton, der Berg rechts ist der Hirschpleiskopf.

Nun aber entlang des Wegs weiter, bis ich kurz nach 11:30 an eine Weggabelung komme – entweder gleich zur Hütte oder nach rechts rauf um weitere 2 Gipfel zu erschließen. Ich bin zwar schon etwas müde in den Beinen, entschließe mich aber trotzdem für den Gipfelweg. Nach 20min Aufstieg bin ich auf knapp über 2.500 m und zum Stanskogel sind es nochmal 250hm – also eine 3/4 hin und retour. Der Blick auf die Uhr zeigt mir 1.900 hm im Aufstieg an, das ergibt dann am Weiterweg liegenden mit dem Hirschpleiskopf 2.200 hm gesamt. Ob der Hitze und dem mir nicht bekannten Abstieg nach St. Anton und dem für 16:00 geplanten Bogenschießen mit der Familie ist mir das dann doch zu viel und ich lass die beiden Gipfel sein (der Hirschpleiskopf ist eh nur ein fader Grasrücken) und steige direkt zur Leutkircher Hütte ab, die ich um 12:27 auch erreiche.

img_7558
Die Leutkircher Hütte ist erreicht.
img_7560
Blick von der Leutkircher Hütte Richtung Südwesten in die Verwallgruppe. Der spitzer Berg rechts über St. Anton ist der Patteriol.

Nach einer Stunde Pause und einer guten Suppe starte ich den Abstieg Richtung Putzenalpe, die ich dann aber links liegen lasse . Nach einem schönen Abstieg weiß ich nun, wo das St. Antoner Wasser herkommt und ich am Ende auf einer Forststraße entlang Nasserein erreiche. Von dort  geht es durch den Ort entlang der alten Bahnline und vorbei am Golfplatz zum Zielpunkt, dem Bad von St. Anton, welches ich um 15:13 erreiche.

img_7564
Dieser einsame Felsen stemmt sich tapfer gegen die Wassermassen.

Zusammenfassung:

Eine anfangs konditionell anspruchsvolle und nicht sehr einladende Wanderung, die sich oben zu einer wunderschönen Höhenwanderung mit traumhaftem Ausblick entwickelt. Die vielen Gipfel am Weg ermöglichen eine sehr individuelle und auch flexible Planung je nach Wetter und Kondition, die beiden Hütten bieten auch entsprechende Einkehrmöglichkeit. Der Abstieg nach St. Anton ist abgesehen vom letzten Stück recht ansprechend, alternativ kann man auch über die Putzenalpe (Einkehr) absteigen.

Die Tour ist exponiert und im Anstieg südseitig – bitte unbedingt auf ausreichend Getränke und Sonnenschutz achten, es empfiehlt sich im Sommer jedenfalls ein zeitiger Aufbruch.

Statistik:

  • 19,2 km, 1.916 hm auf/1.859 hm ab
  • 4 Gipfel, höchster Punkt Grießkopf (2581)
  • Gehzeit netto 6:47, inkl. Pausen 9:10