Nach einem gescheiterten Versuch über die Südseite 2023 (Abbruch wegen schlechten Wetters) haben wir Anfang der Woche einen neuerlichen Versuch gestartet. Und zwar über die Nordseite von Gosau aus, mit dem Ziel Hallstatt. Auch diesmal verlief nicht alles nach Plan, aber immerhin haben wir den Gipfel erreicht.
Start ist am Montag in der Früh, wo wir zuerst einmal nach Gosau anreisen. Das Wetter ist bescheiden, doch die Prognose – je nach Wetterdienst – zwischen Bangen und Hoffen. Nach einer Ladepause und einem Frühstück in Bad Ischl treffen wir am späten Vormittag im Hotel (die Damen sind wieder als Begleitung mit) am Ortsende von Gosau ein. Nach kurzer Beratschlagung und einem Telefonat mit dem Wirt der Adamekhütte beschließen wir, es zu probieren und zur Hütte aufzusteigen.
Und so starten wir um 12:03 am Parkplatz beim Vorderen Gosausee los. Die ersten 6 km unserer Tour sind sehr gemütliche und auch landschaftlich sehr schön. So zeigt sich der Hintere Gosausee in einem kräftigen Smaragdgrün und die Wolken und das Wetter sorgen hier für eine wunderschöne Stimmung. Nach einer gemeinsamen Rast auf der Holzmeisteralm beginnt nun um 14:32 der Aufstieg auf die Hütte. Anhaltend steil geht es nun hinauf und leider sind wir schon nach kurzer Zeit vom Nebel eingehüllt und es nieselt leicht, aber nicht wirklich störend. Schade, denn das Panorama bei diesem Aufstieg wäre sicher wunderbar. Pausen machen wir durch das Wetter nicht wirklich und so sind wir froh, als wir um 17:04 nach in Summe 1300 hm endlich die Hütte erreichen.





Der Aufenthalt auf der Adamekhütte wird einen durch ein sehr freundliches Hüttenteam mehr als angenehm gestaltet und die Hütte präsentiert sich auch als sehr sauber und gut geführt. Im Gespräch mit dem Wirten bewahrheiten sich aber die Befürchtungen der späten Jahreszeit – beide Gletscher sind schon recht marod und beim Aufstieg müssen zwei Umwege gemacht werden – einmal wegen Steinschlag und einmal wegen großer Spaltengefahr im Bereich des Bergschrunds.
Am nächsten Morgen zeigt sich das Wetter tatsächlich freundlicher und es besteht auch keine Gewittergefahr – am Dachstein ob der Klettersteige ja ein absolutes Muss. Und so starten wir um 06:40 nach ausgiebigen Frühstück unseren Gipfelanstieg. Nach wenigen Minuten erreichen wir schon die geschliffene Gletscherzone – durch die Trockenheit kein Problem.
Nach 30min weichen wir wie empfohlen vom Weg ab, stechen direkt hinauf Richtung Gletscher und erreichen bald darauf die vorgeschobene Gletscherzunge. Hier legen wir die Steigeisen an, der Einstieg in den Gletscher ist problemlos. Auf mäßig steilem Blankeis und ohne nennenswerte Spalten geht es in Falllinie empor, wir biegen aber bald rechts Richtung Mitterspitz, dessen Steinschlagzone wir oberhalb umgehen. Dann geht es kurz weiter am Normalweg Richtung Bergschrund, den wir aber aufgrund seines schlechten Zustandes ebenfalls umgehen und dadurch weiter östlich den Gletscher verlassen.






Etwas mühsam arbeiten wir uns durch Fels und loses Gestein hinauf zum Grat, wo wir dann endlich um 09:15 den Klettersteig erreichen. Von hier an geht es am Westgrat entlang meist recht angenehm und technisch einfach bis hinauf zum Gipfel. Durch den Nebel leider nicht sichtbar, ist der Grat bei schönem Wetter sicherlich an einigen Stellen recht luftig und erlaubt traumhafte Tiefblicke die Südwand hinunter. Gegen 10:30 erreichen wir dann den Gipfel. Einziger Vorteil des Wetters – es ist nix los und nur 2 andere Gruppen sind am Berg.

Um 11 Uhr starten wir Richtung Tal – und zwar entscheiden wir uns für den Randkluftsteig – im Wissen, dass die Randkluft nicht mehr einfach überwindbar ist. Das ist dann auch so, am Ende des Klettersteiges müssen wir einige Meter abklettern (bzw. abseilen) und von dem Felsvorsprung aus können wir die Randkluft ein paar Meter weiter verlassen, sicherheitshalber entsprechend gesichert. Der Nebel ist hier hartnäckig und das Firnfeld sehr steil und rutschig. Wir queren nun den Bergschrund und verlassen die Nebelzone und sind nach wenigen Metern Abstieg auch schon wieder am Blankeis des wirklich sehr desolat wirkenden Hallstädter Gletschers. So entscheiden wir schweren Herzens nach ein paar Wegsuchvarianten, dass wir den Abstieg zur Simonyhütte (unser Ziel für Tag 2 – morgen wollen wir dann von dort nach Hallstatt absteigen) nicht vornehmen und wandern wieder hinauf zum Hunerkogel, wo wir die Tour beenden und mit der Seilbahn nach Ramsau abfahren, und uns ein Taxi zurück zu unserem Ausgangspunkt nach Gosau bringt.






Fazit: Die Weitsicht war zwar mangelhaft, doch das Wetter hat soweit mitgespielt. Aber es bewahrheitet sich wieder sehr deutlich, dass Hochtouren mit Gletscherabschnitten im Spätsommer immer problematischer werden – auch wenn diese Gletscher unter 3000m liegen und das sicher ein ganz besonders warmer Sommer war – der Trend ist eindeutig. Und so wird eine eigentlich sehr einfache Besteigung des Touristenbergs Dachstein auf einmal zu einer durchaus alpinistischen Herausforderung, wo eine entsprechende Ausrüstung & Technik notwendig und Gletscher- und Sicherungswissen sowie Wegsuchfähigkeiten gefragt sind. Die Tage nach unserer Besteigung haben das durch einige Unfälle am Dachstein mehr als nur bestätigt.
Statistik:
- Strecke: Parkplatz Vorderer Gosausee – Adamekhütte (Nächtigung) – Gosauer Gletscher – Dachstein Westgrad (Klettersteig) – Randkluftsteig (Klettersteig) – Hallstätter Gletscher – Bergstation Dachstein
- Länge: 17,7 km
- Zeit 12:11 (aktiv 07:45)
- Höhenmeter: 2.185 im Aufstieg und 450 im Abstieg
- Kosten Parkplatz 10 EUR/Tag (Nachtparkverbot), Lift 32,50 EUR für die Talfahrt und 20 EUR Maut für die Mautstraße (pro PKW)
































































































